RE: Akustik Gitarre 6/08
Mein Bahnhofskiosk hat renoviert und seine Verkaufsfläche verdoppelt.
Er führt jetzt Musikzeitschriften, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt.
Ich erwerbe sofort ‚Akustik Gitarre’, um einem nach Jahrzehnten wiedererwachtem Interesse am Instrument Aktualität zu verleihen.
Das erste, was beim Durchblättern auffällt: Es gibt eine nahezu 100%-Deckung von Anzeigen und Redaktion; Zu jeder Anzeige steht irgendwo, proportional portioniert, ein passender redaktioneller Text.
Es ist, als ob der zuständige Redakteur, womöglich in Personalunion, immer Freitags den zuständigen Anzeigenleiter kontaktieren würde: Sag mal, was haben wir denn diese Woche hereinbekommen?, um dann am Montag den entsprechenden Artikel zu schreiben.
Die offensichtliche Verquickung von Redaktion, Verlag und Agentur, die augenscheinlich in fürsorgliche Promotion von hauseigenen Künstlern und Publikationen mündet, lässt ‚Akustik Gitarre’ eher als Anzeigenblatt erscheinen denn als ein Fachperiodikum, das sich sauberem journalistischen Arbeiten verschrieben hätte.
Aber dies gilt sicherlich generell für eine Vielzahl von Verlagspublikationen, die in erster Linie merkantile Objekte sind und die dem Anzeigenkunden ein wohlgeneigtes redaktionelles Umfeld bereitstellen sollen, eine kauflaunige Umgebung wie in Supermärkten und Einkaufscentern üblich und der Redakteur ist dem Innenarchitekten vergleichbar, der mittels Inventar, Ladendesign, Lichtregie, Hintergrundmusik und Beduftung das Shoppingerlebnis zum BuyEvent gestalten soll.
Musikpolitik, kritische Reflexion oder gar negative Kommentare, also alles mit Ecken und Kanten, was die Gefahr der Polarisierung und Befremdung in sich trägt, wird man darin nicht finden.
Diese Zeitschriften sind in Sprache und Layout regelrecht rund geschliffen, massentauglich, grundsätzlich bejahend und positiv grundgestimmt, denn diese Magazine leben nicht vom Abonnenten, sondern von der buchenden Agentur.
Meiner eigenen Unaufmerksamkeit (Begleit-CD zu jeder Ausgabe...) verdanke ich, das kleine Wörtchen ‚erhältlich’ überlesen zu haben und bemerkte erst nach dem Kauf, dass diese nur separat und kostenpflichtig zu erwerben ist.
Trotz dieser Vorbehalte habe ich den Kauf nicht bereut.
Im Gegenteil.
Für einen Anfänger wie mich, der bei Peter Bursch stehen geblieben ist und sich nun neu orientiert, ist solch eine Zeitschrift eine immense Quelle der Inspiration und zwar allein schon durch die Nennung von Namen und Fachbegriffen, die man anschließend im www auf Bild und Ton sich visualisieren oder akustisch zu Gehör bringen kann.
Das ist ganz und gar fantastisch und in seinen Möglichkeiten noch gar nicht ausgeschöpft.
|