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Standardgriff fürs Solo? - Druckversion

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Seiten: 1 2


RE: Standardgriff fürs Solo? - ozstriker - 05-05-2004

Hey Leutz bin neu hier und hab mal ne Frage, spiel jetzt schon seit paar Wochen Gitarre, aber die Tabs für Solos sind mir noch ne Nummer zu hoch!

Gibts dafür keinen Standardgriff, der fast immer anwendbar is, egal auf welchem Bund?

MERCI im voraus!


- startom - 05-05-2004

Kurze Antwort: Nein.

Lange Antwort: Nein, aber dafür gibts das sogenannte Lagenspiel. Das heisst, jeder der vier Greif-Finger hat den ihm zugeteilten Bund.

Beispiel: Am - Pentatonik, Lage ab 5. Bund


[song]

Finger ->Zeige Mittel Ring Kleiner
Bund -> 5 6 7 8
|---X----|--------|--------|---X----|
|---X----|--------|--------|---X----|
|---X----|--------|---X----|--------|
|---X----|--------|---X----|--------|
|---X----|--------|---X----|--------|
|---X----|--------|--------|---X----|


[/song]


Jeder Finger hat seinen fixen Bund. Jetzt kannst du flink rauf und runter rasseln, natürlich mit der entsprechenden Uebung. Ein Standardgriff würde dich beim Solo-Spiel wohl nur behindern, denn hier sind flinke Finger gefragt. Der Mittelfinger hat jetzt in diesem Beispiel Pause.....
Das Geheimnis des Solospiels heisst also Lagenspiel beherrschen

--
Gruss aus der Schweiz
Tom Drink

Ach ja: Herzlich Willkommen im Forum.


- ozstriker - 05-05-2004

Merci für die schnelle Antwort......Gruß zurück aus der Pfalz an die Schweiz :-D


- ozstriker - 05-05-2004

Merci für die schnelle Antwort......Gruß zurück aus der Pfalz an die Schweiz :-D


- Oliver-Rocker - 05-05-2004

Hallo Tom,

vom Lagenspiel hab ich auch gehört, stimmt das, für bestimmte Akorde wird auf einer bestimmten Höhe gespielt, z.B. für G ab dem 3 Bund. Kannst Du bitte bisschen ausführlicher beschreiben, für die ganz unerfahrenen im Solospielen.
--
Die Menschen muss man nehmen wie sie sind, nicht wie sie sein sollten.


- startom - 06-05-2004

Hallo Oliver-Rocker.

Es kommt eigentlich nicht auf die Akkorde, sondern auf die Tonart drauf an. Wenn du die Tonart kennst, bildest du das Lagenspiel um die Grundtöne dieser Tonart.

Beispiel: Tonart C-Dur / A-Moll besteht aus folgenden Tönen:
C - D - E - F - G - A - B

Wenn du jetzt diese Töne überall auf dem Griffbrett einkreist, wirst du merken, dass es eigentlich fast zu viele sind, um sich diese und ihre Standorte (während eines wahnwitzigen Solos) allesamt zu merken.

Dafür hat man auch verschiedene Muster erfunden. Eines dieser Muster habe ich unten aufgeführt. Nehmen wir die Tonart A-Moll (sehr wahrscheinlich wird die Begleitung auf diesem Akkord enden und/oder beginnen). Der Grundton ist dementsprechend A. Wie schon erwähnt, jedem Finger wird ein eigener Bund zugeteilt. Ausnahme ist der vierte Bund, G-Saite. Hier muss (ausnahmsweise) noch das B durch den Zeigefinger abgedeckt werden.
Uebung: Diese Muster langsam rauf und runter dudeln, bis man nicht mehr hinschauen muss. Die Finger wissen ja, wo sie zu greifen haben, die Hand bleibt an Ort und Stelle.

[song]
Finger ->Zeige Mittel Ring Kleiner

Bund -> 5 6 7 8

|---A----|--------|---B----|---C----|

|---E----|---F----|--------|---G----|

|---B--|---C----|--------|---D----|--------|

|---G----|--------|---A----|--------|

|---D----|--------|---E----|---F----|

|---A----|--------|---B----|---C----|
[/song]


Dazu hast du jetzt die passende Akkordfolge | Am | C | G | F E | (Santana: Put your lights on).
In den Membersounds habe ich ein Stück, welches genau über diese Begleitung soliert, und dabei habe ich dieses Muster nie verlassen! Also eigentlich ganz einfach.
Wichtig ist auch für das Solo, dass du auf die Akkordwechsel entsprechend reagierst. Zum Beispiel mit folgendem kleinen Solo. Probiers mal aus. Einfach gestrickt, einfach gespielt, erzielt die gewünschte Wirkung. Der Trick: Rechtzeitig auf die Akkordwechsel spiel ich einfach die entsprechenden Grundtöne
des jeweiligen Akkordes an…..ohne das Muster je zu verlassen.

[song]
Am C G F E
|-4s5----5-7-8-7-|-8-------8-7-5--|-----------8-7--|----------------|
|----------------|----------------|-8---6-5--------|--6---8-6--5----|
|----------------|----------------|----------------|----------------|
|----------------|----------------|----------------|----------------|
|----------------|----------------|----------------|----------------|
|----------------|----------------|----------------|----------------|
[/song]

Moral von der Geschicht zum erfolgreichen Solo:

1. Die Tonleiter-Muster kennen (weniger ist mehr....besser nur zwei Lagen beherrschen, als alle 5 Lagen kennen und unsicher spielen...es sind ja immer dieselben 7 Töne (Bei Pentatoniken sogar nur 5), übers Griffbrett verteilt)

2. Die Tonart des Songs kennen (die Lage kann ja entsprechend der Tonart auf dem Griffbrett verschoben werden, somit muss man sich wirklich nur wenige Muster einprägen)

3. Auf die Akkordwechsel hin und wieder mit dem Anspielen des jeweiligen Akkord-Grundtones reagieren. Somit wird aus dem Solo eine kleine Geschichte anstatt eine sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben.

--
Gruss aus der Schweiz
Tom Drink


- startom - 06-05-2004

Ausführlich genug? Wink
--
Gruss aus der Schweiz
Tom Drink


- homecineplexx - 06-05-2004

@startom:

was ich nicht verstehe, du schreibst bei dem kleinen stueck Am ueber den ersten Ton 4s5, aber was haben die anderen 3 mit Am zu tun??

mfg Chris


- startom - 06-05-2004

Die gehören zum Solo....sozusagen als Ueberleitung von Am nach C.

Vielleicht hab ichs nicht verständlich erklärt, sorry.

Die Akkorde über der Tabulatur bezeichnen die Begleitung, in diesem Falle die Akkordfolge | Am | C | G | F E |
\"|\" bezeichnet jeweils einen Taktstrich.

Die Tabulatur ist ein erfundenes Solo, welches zu der genannten Akkordfolge passt. Auf jeden Taktwechsel wird der Grundton des jeweiligen Akkordes angespielt.


--
Gruss aus der Schweiz
Tom Drink


- homecineplexx - 06-05-2004

ok, und warum spielst du das alles im 5, 6, 7 und 8ten bund...kann man das nicht weiter unten mehr oder weniger genauso spielen?


- startom - 06-05-2004

Natürlich kann man das auch weiter unten spielen. Wie schon erwähnt, ein Solo, welches einer Tonleiter zugrunde liegt, spielt ja im Prinzip nur 7 verschiedene Töne....

Der Clou liegt ja darin, dir ein Muster (eben: Lagenspiel) einzuprägen, damit du die von dir gewünschten Töne blind und ohne gross nachzudenken anspielen kannst.

Mein favorisiertes Muster ist eben jenes, welches ich vorhin schon gepostet habe. Da flitzen die Finger von alleine rauf und runter, und ich kann mir während dessen schon mal überlegen, was ich meiner Frau zum Geburtstag schenken werde.
--
Gruss aus der Schweiz
Tom Drink


- homecineplexx - 06-05-2004

heisst das wiederrum, dass ich wenn ich einen song spiele, der eine andere tonleiter zur folge hat, ich mir ein anderes langspielmuster zurechtlegen muss?
2te frage, wie kann ich aus einem song herrauslesen, welchen tonleiter dahinter steckt?


- homecineplexx - 06-05-2004

angenommen ich hab folgendes (fugees - killing me softly)

e|-------------1-----------------1---------------------|
B|-1--2--4---------4--------4----4---2---1---2-----|
G|-----------------------3------------------------------|
D|-------------------------------------------------------|
A|-------------------------------------------------------|
E|-------------------------------------------------------|

e|----------1------1---3---3---4---3---1-----1--4-1|
B|--1--2-4-------4------------------------4-----------|
G|-------------------------------------------------------|
D|-------------------------------------------------------|
A|-------------------------------------------------------|
E|-------------------------------------------------------|


wie find ich hier raus welche tonleiter da gespielt wird?
das langspielmuster ist hier ja leicht zu sehen, da
alles nur in den ersten 4 buenden gespielt wird und demnach....


- startom - 06-05-2004

Zitat:Original von homecineplexx:
heisst das wiederrum, dass ich wenn ich einen song spiele, der eine andere tonleiter zur folge hat, ich mir ein anderes langspielmuster zurechtlegen muss?

Nein, du musst nur das Muster auf dem Griffbrett verschieben.
Beispiel: Tonart Am = ab 5. Bund, Tonart Bm = ab 7. Bund, gleiches Muster.
Gemäss dem Motto: One Size fits all!


Zitat:Original von homecineplexx:
2te frage, wie kann ich aus einem song herrauslesen, welchen tonleiter dahinter steckt?

Wichtig ist nicht die Suche nach der Tonleiter, wichtig ist die Suche nach der Tonart!
Das ist jedoch schon kniffliger....da sind halt gewisse theoretische Kenntnisse von Nöten.
Erst mal musst du wissen, welche Akkorde jeweils zusammen passen, um die Tonart des Songs herauszufinden... ausserdem ist es hilfreich, wenn du weisst, aus welchen Einzeltönen sich Akkorde zusammensetzen.....
Doch dies ist wahrscheinlich eher ein Thema für das Musiktheorie-Board. Stöbere dort doch mal herum....Andytheke hat mal Grundlagen der Harmonielehre / Musiktheorie gepostet, was dir sicherlich weiterhelfen wird.

Trotzdem noch als Tipp: Achte beim Song auf den Anfangsakkord und/oder auf den Schlussakkord. In den meisten Fällen hast du dann bereits die Tonart des Songs gefunden und kannst drauflosdudeln.


--
Gruss aus der Schweiz
Tom Drink


- homecineplexx - 06-05-2004

du hast geschrieben Am=5. Bm=7 aber kann ich nicht Bm auch im 2ten nehmen??

gilt das ganze prinzip nur fuer moll akkorde oder kann ich zb auch ein ganz gewoehnliches A so spielen nach einem Must, also quasi eine dur?