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Stirbt die Gitarre einen langsamen Tod? - Druckversion +- Das große deutschsprachige Gitarrenforum (https://gitarrenboard.de) +-- Forum: Allgemeines (https://gitarrenboard.de/forumdisplay.php?fid=3) +--- Forum: Umfragen (https://gitarrenboard.de/forumdisplay.php?fid=17) +--- Thema: Stirbt die Gitarre einen langsamen Tod? (/showthread.php?tid=31095) |
- Smud - 11-01-2014 Zitat: Original von Panka77: Und dann gibt es noch solche, die genug Zeit hatten, das Gitarrespielen zu erlernen, dennoch kaum etwas spielen können, sich in einem Gitarrenforum anmelden und unsachliche Kommentare abgeben. - Smud - 11-01-2014 Zitat: Original von Hanjo: Nein, aber DU hast hier was mißverstanden. Ich habe geschrieben, daß die klassische Gitarre (und die damit verbundene Ausbildung) aus der Mode gekommen ist. Und dann habe ich erklärt, woran das liegt. Daß die Klassik verschmäht wird ist natürlich nichts Neues, aber das war nicht mein Punkt. Es gab eine Zeit vor der Rockmusik und den Gitarrenhelden. wenn also damals ein Kind oder ein Jugendlicher Gitarre lernen wollte, dann kam er an der klassischen/akustischen Gitarre nicht vorbei. Ich finde auch, daß man als Musiker der ernsten Musik nicht viel Spielraum zur freier Entfaltung hat. Man ist immer an die Kompositionen der alten Meister gebunden und spielt immer und immer das Gleiche. Dennoch kann ein wenig Klassik ein großer Vorteil in der eigenen Gitarrenausbildung sein. Wer wirklich Gitarre lernen will, der kommt an Volksmusik und Klassik nicht vorbei, ob es ihm/ihr gefällt oder nicht. Schaut man sich allerdings die E-Gitarre an, dann scheint die Ausbildung auch nicht viel anders zu verlaufen. Man lernt und spielt immer und immer das Gleiche, Licks und Techniken von anderen Rockgitarristen: Blues: BB King, Albert King, Muddy Waters, Eric Clapton usw. Rock ´n Roll: Chuck Berry Rock: Jimi Hendrix, Eddi Van Halen, Jimmy Page usw. Pop: Mark Knopfler Man kann keine E-Gitarre spielen, ohne irgendetwas von den aufgelisteten Gitarristen nachzuspielen. Erst wenn man all das gelernt hat, kann man seinen eigenen Stil entwickeln. Nun könnte man auch hier sagen: Die Rockmusik besteht nur aus immer den gleichen Elementen, die immer und immer wieder neu eingespielt werden. \"Stell Dir vor die Rockmusik bestände zu 90 % aus Covervsersionen die so eng am Original liegen, dass man sie kaum unterscheiden kann.\" Wenn man es genau nimmt, dann ist es auch so. Rock ´n Roll ist Rock´n Roll, Rock ist Rock, es sind zwar keine 100%tigen Kopien, aber ein großer Einheitsbrei (zudem muß man sich als Musiker einigermaßen an die Musikrichtung halten). In der Klassik klingt auch nicht jeder Komponist gleich (es scheint aber so zu klingen, weil sich die Stilmittel gleichen und mehr oder weniger die gleichen Instrumente gespielt werden). Heute wird fast nur noch gecovert, neu verpackt oder neu kombiniert. Niemand hat etwas Neues, jeder kopiert den anderen. Und so kling alles ähnlich bis gleich. Das ist ja das Problem. - Smud - 11-01-2014 Zitat: Original von Oslo: Hallo, Oslo Endlich mal wieder ein sachlicher Kommentar, danke dafür Ja, da stimme ich Dir 100% zu (obwohl das der Gitarre eigentlich nicht gerecht wird und es schade ist, wenn sich das Können zu sehr auf wenige Elemente beschränkt). Das Problem ist nur: wie kommen die talentierten Gitarristen aus dem finsteren Untergrund ans Licht der Bühnen? Geheimtips sind halt geheim und sprechen sich nicht so schnell rum wie Radioklänge oder TV Berichte. Wenn die talentierten Musiker die Bühne beherrschen würden, dann wären alles auf dem richtigen Weg. Andererseits gibt es da noch ein weiteres, hardnäckiges Problem: Gibt es noch junge Menschen, die talentierte Musiker hören wollen? Gruß zurück an den Namensvetter Marco - Jemflower - 11-01-2014 Zitat: Original von Smud: Das ist eine Entwicklung, die ich auch so erlebt habe und deren Effekt es ist, dass die jungen Gitarristen, bei aller Brillanz, für mein Ohr sehr austauschbar klingen. Es sind nämlich oftmals die Autodidakten, die sich als Pioniere entpuppen. Den ausgebildeten Virtuosen fällt es oft schwer, aus den gewohnten Bahnen auszubrechen. Allerdings ist dies nicht Schuld der Musikrichtung, sondern geht eher an die Musikdidaktik, die die Wichtigkeit kreativer Spielräume m.E. lange ignoriert hat. Wobei das natürlich auch mit an der Lehrerpersönlichkeit hängt. Dass Cover übrigens so erfolgreich sind, hängt mit der Psychologie zusammen. Das Vertraute wird als schön empfunden. Die Mehrheit der Menschen tut sich mit Neuem immer etwas schwer. Neuerungen kommen, wenn kreative Leute die ausgetretenen Pfade verlassen. Pagannini z.B. brachte Gitarrentechniken ins Geigenspiel ein. Neuerungen werden heutzutage erst publik, wenn sie kommerziell verwertbar scheinen. Bis dahin muss man sie auf Arte suchen
- Smud - 11-01-2014 Zitat: Original von jemflower: Ich vermute, das liegt z.T. daran, daß viele Menschen (darunter hauptsächlich die heutige Generation) die alten, gecoverten Lieder gar nicht kennen. Es sind Evergreens und deshalb funktionieren sie auch heute noch. Manchmal ist es auch so, daß die Coverversionen besser klingen als die Originale. Mir scheint es so, als ob nur deshalb viel gecovert wird, weil den Musikern nichts mehr einfällt. - Jemflower - 11-01-2014 Ich glaube eher, covern ist \"billiger\". Musik kommt ja nicht nur von Musikern, sondern es gibt da ja eine Branche, die die permanenten Hits braucht. Wenn gerade kein kreativer Musiker da ist, dann wird halt ein hübscher Bengel oder attraktives Mädel mit ausreichenden Gesangsfähigkeiten gecastet und ein bewährter Song neu arrangiert. Wenn es nicht klappt, wird der/die Nächste gecastet. Sieht man ja an diesen Shows. - Smud - 11-01-2014 Zitat: Original von jemflower: Das auch, leider. - Hanjo - 12-01-2014 Es ist schwierig wenn Begriffe falsch gebraucht werden, sich nicht misszuverstehen. Cover ist halt das nachspielen eines Werkes ohne tief eingreifende Veränderungen. Verändere ich stark, dann ist es eine Werkbearbeitung oder es entsteht etwas völlig Neues. Beispiel: Bach/Gonoud . Hier kann mann sich trefflich drüber streiten wieviel Bach noch im Ave Maria enthalten ist. Liegt der schöpferische Akt tatsächlich in der Akkordprogression und Zerlegung? Das Ausgangsmterial von Bach ist doch eigentlich nur eine Warmspielübung. Also egal ob man hier Begriffe wie Ostinato oder Motiv zusätzlich ins Spiel bringt, alle Präludien klingen alle ähnlich. Die darauf gelegte Melodie bringt den Unterschied. Im Pop Rock ist das nicht anders. Der Riff von Beethovens V. macht das Werk genauso unverkennbar wie der Riff von Smoke on the Water. Das bedeutet aber keineswegs, dass man auf den typischen Groove, die typische Harmonik und typische Akkordprogression eines Genres verzichtet. Ob der Klassiker von Motiv des 2ten Satzes spricht, oder der Rocker von Hookline, eine eigenständige Komposition klingt nicht austauschbar. Die Sicht auf die aktuellen Musiker ist eher der Blick in den Spiegel. Die Hörer bekommen das was sie hören möchten. Dieter Bohlen repräsentiert nicht die Musik sondern er ist Spiegelbild der Konsumenten. Wenn Musik im Rundfunk immer ein bisschen vertraut klingt, dann deswegen weil das Format des Senders strikt ist. Durch Kanäle wie Utube hat sich Musik demokratisiert. Es hat nie mehr Vielfalt gebeben. Es hat aber auch nie mehr Vereinheitlichung des Geschmacks gegeben. 90 % der Utube Musikhörer begnügen sich mit ganz wenigen Tracks, die gerade mal 10 % des Angebots ausmachen. Der Rest geniesst nie gehabte Vielfalt. - Smud - 12-01-2014 Zitat: Original von Eifeljanes: Die Wörtchen \"bescheuerte\" und \"borniert-ignorant\" sind hier ganz sicher in Deinem Dir ganz eigenen Sinn zu verstehen, oder? Du hast das schon richtig verstanden; zumal ich schon mehrmals erklärt habe, was ich damit meine. Dein Problem ist vielleicht nur, daß Du Dich in dieser Kategorie wiederfindest. - Frank_Drebin - 12-01-2014 Zitat: Original von Smud:\"100% beherrschen\" bedarf einer Definition. Ich meinte damit, daß jemand die Gitarre von der Pike auf gelernt hat und zwar mit allem was dazugehört. Kurzum: Konzertgitarren-Unterricht, danach oder nebenbei Westerngitarre und eine umfangreiche E-Gitarren-Ausbidung (Blues, Rock ´n Roll, Pop usw.).Warum genau soll das erstrebenswert sein? Warum soll jemand, der sich für Rockmusik interessiert, auf einer Konzertgitarre anfangen mit dem Risiko, dass er die Lust verliert? Warum kann nicht jeder das lernen, was er möchte und damit seine Mitmenschen zu begeistern versuchen? Deswegen stirbt die Gitarre nicht, sondern gewinnt im Gegenteil an Vielseitigkeit! Es muss doch niemand alle Stilrichtungen beherrschen, um ein guter Gitarrist zu sein (außer vllt. in deinen Augen). Wer das dennoch möchte, den hindert ja keiner dran. Edit: Hier siehst du mal ein Beispiel, wie ein Musikstudent seit nun 140 Tagen beginnend als absoluter Anfänger auf der E-Gitarre jeden Tag übt mit zwei drei Unterrichtsstunden zwischendurch. Heute spielt der schon ganz passabel, und das ganz ohne klassische Konzertgitarre und Picking. Das meine ich mit dem, was ich oben geschrieben habe. So geht es auch. Da gibt es nicht den einen richtigen Weg und alles Andere ist der Tod der Gitarre. - Smud - 12-01-2014 Zitat: Original von Frank Drebin: Da stimme ich Dir zu. Eine E-Gitarren-Ausbildung ist aber auch nicht jedermanns Sache. Viele Jugendliche (und auch Erwachsene), die wissen, wieviel Jahre Arbeit dahinter steckt, scheuen sich davor, diesen langen, beschwerlichen Weg zu gehen. Sie sehen einen berühmten Gitarristen und wollen so schnell wie möglich abrocken. Und was dabei rauskommt, ist bekannt. Wenn jemand ohnehin weder Interesse an der klassische Gitarre, Ausbildung noch an der dazugehörigen Musik hat und lieber Blues, Rock oder Metal spielen lernen möchte, dann wäre die klassische Gitarre/Ausbildung die falsche Wahl. Dennoch ändert das nichts an der Tatsache, daß Blues, Rock und Metal mit dem \"eigentlichen\" und \"ursprünglichen\" Gitarrespielen nichts zu tun hat. Deshalb finde ich, daß eine Kombination von klassischer und moderner Gitarre der beste Weg ist, um das Instrument Gitarre einigermaßen beherrschen zu können. Dabei müssen nicht alle Inhalte des klassischen Lehrstoffs verwendet werden (man muß auch nicht alles spielen können), sondern nur die grundlegenden Kenntnisse, um eine Basis zu schaffen. Wer nicht einmal einen einfachen Walzer- oder Polkarhythmus auf der Akkustikgitarre spielen kann oder ein wenig Fingerstyle, um sich selbst oder jemand anderen begleiten zu können, der sollte sich überlegen, ob die Gitarre das richtige Instrument für ihn/sie ist. - cat - 12-01-2014 Umgekehrt könnte man dann natürlich auch sagen, ein Klassikgitarrist, der nicht mit Plek auf einer E-Gitarre spielen kann, sollte sich überlegen, ob die Gitarre das richtige Instrument für ihn/sie ist. - Andy63 - 12-01-2014 Zitat: Wer nicht einmal einen einfachen Walzer- oder Polkarhythmus auf der Akkustikgitarre spielen kann oder ein wenig Fingerstyle, um sich selbst oder jemand anderen begleiten zu können, der sollte sich überlegen, ob die Gitarre das richtige Instrument für ihn/sie ist. ooops... dann schmeiß ich das Dingen lieber wech... auch wenn es mir unendlich viel Spaß macht ohne es richtig zu können. Ist es nicht vielleicht auch eine Frage des Geschmackes, Niveaus oder Anspruches? Ich bekomme jedenfalls Ohrenkrebs bei längerer Berieselung mit Fahrstuhl-Zuppelmusik... auch wenn sie auf noch so hohem Niveau dargeboten wird. Da bleib ich dann doch gerne auf unterstem (E-)Gitarrenniveau ... weils mir Spaß macht. Wenn das in deinen Augen und Ohren gleichbedeutend mit dem Tod der \"eigentlich wahren\" Gitarre ist, stimme ich dir voll und ganz zu. Schade für dich ... mir egal. ![]() Gruß, Andy
- Smud - 12-01-2014 Edit: Hier siehst du mal ein Beispiel, wie ein Musikstudent seit nun 140 Tagen beginnend als absoluter Anfänger auf der E-Gitarre jeden Tag übt mit zwei drei Unterrichtsstunden zwischendurch. Heute spielt der schon ganz passabel, und das ganz ohne klassische Konzertgitarre und Picking. Das meine ich mit dem, was ich oben geschrieben habe. So geht es auch. Da gibt es nicht den einen richtigen Weg und alles Andere ist der Tod der Gitarre. [/quote] Dieser Mann hat sich in einer gewissen Zeit etwas angeeignet. Ganz passabel klingt anders. Tut mir leid, aber das war ein ungeeignetes Beispiel für Deine Argumente. - Smud - 12-01-2014 Zitat: Original von cat: Nein, könnte man nicht. Denn die klassische Gitarre ist viel älter als die E-Gitarre. Die Gitarre ist ein Zupfinstrument und dieses wird mit allen Fingern der rechten Hand gespielt. Die E-Gitarre hingegen ist ein Begleit-und Soloinstrument, das nur in einer Band eingesetzt werden kann. Dafür wurde sie auch entwickelt. |