Vom Offtopic mal wieder zum Thema:
Hm, als hätte ich dieses Thema hier nie diskutiert...
Grundsätzlich funktionieren beide Varianten. Aber die Probleme liegen wo anders.
Wenn man mit der ZM-Variante einfacher den G greifen kann, dann frage ich mich, ob man den G denn günstigerweise mit der ZMR-Methode greifen soll.
Gut, ich habe die Griffe am Anfang auch so gelernt, aber ich habe sie mir wieder umtrainiert.
Meinen Schülern bringe ich beim Em immer und ausschließlich die MR-Variante bei. Dadurch habe ich mehrere Vorteile.
Wenn man den G-Dur-Akkord mit der RMK-Variante greift, dann sind die Fingerbewegungen nicht mehr, als bei der oben beschriebenen Variante.
Für die Griffe E, Em, A, Am gibt es bei allen vier Akkorden nur eine Stellung zwischen Ring- und Mittelfinger:
Diese Stellung behält man bei all diesen Akkorden bei.
Hält man unter den 4 ersten Akkorden die Griffwechsel bei, dann hat man im ersten Fall 6 Akkordwechsel, die alle nach dem gleichen Schema ablaufen.
E-Em-E, E-Am-E, E-A-E, Em-Am-Em, Em-A-Em, Am-A-Am
Der Bewegungsablauf ist immer:
- unnötiger Zeige- oder kleine Finger weg
- Mittel- und Ringfinger gleichzeitig anheben
- Mittel- und Ringfinger gleichzeitig verschieben
- Mittel- und Ringfinger gleichzeitig aufsetzen
- Fehlender Zeige- oder kleine Finger aufsetzen.
G, G7, C, F (x03211), D haben auch alle die gleiche Stellung zwischen Mittel- und Ringfinger:
Bei den anderen fünf Akkorden sind es gleich 10 Wechsel, die alle nach dem gleichen Schema ablaufen.
G-G7-G, G-C-G, G-F-G, G-D-G, G7-C-G7, G7-F-G7, G7-D-G7, C-F-C, C-D-C, F-D-F
Der Bewegungsablauf ist immer:
- unnötiger Zeige- oder kleine Finger weg
- Mittel- und Ringfinger gleichzeitig anheben
- Mittel- und Ringfinger gleichzeitig verschieben
- Mittel- und Ringfinger gleichzeitig aufsetzen
- Fehlender Zeige- oder kleine Finger aufsetzen.
Wechselt einer der ersten Gruppe mit einem der zweiten Gruppe, dann hat man 4x5 = 20 Akkordwechsel, die alle nach ein und dem selben Schema ablaufen:
Der Bewegungsablauf ist immer:
- unnötiger Zeige- oder kleine Finger weg
- Mittel- und Ringfinger gleichzeitig anheben
- Mittelfinger bewegt sich auf seinen Platz zu
- Der Ringfinger kommt unter den Mittelfinger oder er geht schräg nach oben auf seinen Platz
- Fehlender Zeige- oder kleine Finger aufsetzen.
Der Zeigefinger hält sich am Liebsten bei den Tönen G#, C und E auf (G H E-Saiten 1. Bund)
Der kleine Finger hält sich am liebsten bei den Tönen Bb, D und G auf (G H E-Saiten 3. Bund)
Der Mittelfinger hält sich am liebsten bei den Tönen H E A auf (A D G-Saite 2. Bund)
Der Ringfinger hält sich am liebsten bei den Tönen G C F auf (E A D-Seite 3. Bund)
Wie komme ich auf die Lieblingspositionen, und warum bin ich so versessen auf den Fingersatz?
Ich spiele viel Picking. Besonders gerne Melodiepicking. Daneben spiele ich ab und zu auch mal ein wenig Klassik. Dort werden die oben genannten Positionen so oft benötigt, das sie sich fast schon automatisch so einstellen. Bei ein wenig anspruchsvollerem Spielen wird es so oft gebraucht, dass es meiner Meinung nach unsinnig ist, zuerst einen Fingersatz zu üben, den man hinterher weniger gut gebrauchen kann, und dass man sich später dann noch mal einen anderen Fingersatz aneignen muss. Lernt man gleich von Anfang an den vorteilhafteren Fingersatz, erspart man sich eine Menge Lernerei.
Zusammenfassung der Griffwechsel auf den Wikibooks
Wo wir gerade beim Lernen sind.
Mit einem vorteilhaften Fingersatz hat man gleich mehrere Lernvorteile.
- Griffwechsel werden einheitlicher, einfacher und dadurch schneller
- Ohne nennenswerte Mühe lernt man mit wenigen Kniffen alle Töne der C-Dur Tonleiter.
- Der Basslauf von C nach G und von C nach F (und umgekehrt) und von F nach A laufen alle mit dem gleichen Fingersatz ab
- Der kurze Basslauf von G nach Em und der von C nach Am laufen alle mit dem gleichen Fingersatz ab.
- Ein Hammering das auf C mit dem Mittelfinger ausgeführt wird, kann in der gleichen Weise bei G F Am und Em mit dem Mittelfinger ausgeführt werden. Selbst beim D funktioniert es mit dem Mittelfinger in ähnlicher Weise. Nur schlägt da nicht der Daumen an, sondern einer der Finger.
- Wie schon gesagt, der Fingersatz ist sehr brauchbar für Klassik und Melodiepicking.
Durch die so genannte \"Ringfinger-Regel\" lernt man ohne groß nachzudenken die Position von 6 Tönen der C-Dur-Tonleiter. Mit den 6 leeren Saiten fehlen nur noch 3 Töne, die man richtig lernen muss. Aber auch da helfen Akkorde weiter, und man kann fast alle Töne der C-Dur-Tonleiter in den ersten drei Bünden. Die noch zwei Fehlenden Töne (einen auf der oberen und einen auf der unteren E-Saite) lernt man ganz leicht dadurch, dass man sich vor Augen führt, dass die Töne oben genau so heißen müssen wie unten.
Natürlich gibt es ein paar Situationen, wo auch mal ein anderer alternativer Fingersatz vorteilhafter ist. Aber du darfst mir glauben, dass du in der Mehrzahl der Fälle mit dem Standard-Fingersatz besser klar kommst.
Es gibt vielleicht 30 oder auch 50 Lieder, die ich auch mal mit anderen alternativen Fingersätzen greifen würde. Das mag dir jetzt viel vorkommen, aber du hast nicht den leisesten Dunst, wie viele tausend Lieder ich mit dem Standard-Fingersatz greife.
Ich weiß ich weiß, und ich hör es auch schon \"Ich komme aber mit meinem alten Fingersatz auch sehr gut zurecht, und der Dingsbums greift das auch so....\"
Macht es dann ruhig so wie ihr wollt. Ich lehne bei solchen Schülern ab, sie weiter zu unterrichten. Warum soll ich mir ein mehr an Arbeit aufhalsen, die ich mit einem gescheiten Fingersatz nicht habe.
Wie ihr seht, ist der Standard-Fingersatz gut durchdacht. Wie gut habt ihr euren Fingersatz wirklich durchdacht, und auf Praxistauglichkeit (auch bei anspruchsvolleren Begleitungen) ausgetestet?
Gruß Mjchael