Es ist schwer, sich über diese Dinge zu unterhalten, da leicht einiges durcheinandergebracht wird. Im ersten Beitrag des von DeeDee verlinkten Thread gings um einen bestimmten Charakter von C-Dur in kirchlicher Musik... Ich könnte mir vorstellen, dass damit eigentlich nicht Tonarten, sondern Kirchentonleitern/ Modes gemeint waren.
Dass die Tonart selbst für viele Hörer relevant für das (Nicht-) Gefallen von Musik sein soll, kann ich mir einfach nicht vorstellen; dafür sehe ich zu viele Gegenbeispiele (an die Leute, welche die gegenteilige Auffassung vertreten: Wo habt ihr das denn beobachtet?) und auch Ungereimtheiten:
- Die Definition der Tonarten hat sich mit der Zeit geändert: Von unterschiedlichen Stimmungen abgesehen, schwankte je nach Region und Epoche der Kammerton zwischen 392 und 466 Hz. Das ist eine Menge... Sollte hieraus nicht ein echtes Problem resultieren, wenn ein altes Stück für die Charakteristiken des (heutigen) G-Dur geschrieben wurde und es plötzlich im (heutigen) A-Dur erklingt?
- Heute wird häufig z.B. nach einem Klavier gestimmt, so dass man auch nach den Definitionen unserer Zeit in gar keiner echten Tonart landet. Vor einigen Jahrhunderten war es um die Stimmung der Instrumente wohl nicht besser bestellt.
- In einer Coverband hatten wir lange Zeit ein zweiteiliges Set; in der zweiten Hälfte wurden die Gitarren runtergestimmt. Eine besondere Reaktion des Publikums auf die schrägen Tonarten wie Gb-Dur und ab-moll konnte ich nicht bemerken. Auch viele Stratspieler in klassischen Trios stimmen folgenlos einen Halbton runter, weil es der Mensur und den Songle Coils entgegen kommt (was bei einer LP anders aussieht - ist SRV gerade deshalb populärer als Les Paul?).
- Andersrum kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die Songschreiber dieser Welt ihre Stücke bewusst des Charakters der Tonart wegen so überproportional häufig in einfachen Tonarten schreiben. Oder dass bläser-dominierter Jazz halt in b-Tonarten besser klingt, während es sich bei gitarrenlastigem Pop umgekehrt verhält (Hinweis: Viele Blasinstrumente sind in den Tonarten einfacher zu spielen, die Gitarristen meiden wie der Teufel das Weihwasser).
- Das Beispiel von Simon & Garfunkel hatte ich schon angeführt, auch hier habe ich keine Beschwerden gehört (diese hätten ja z.B. in den Rezensionen jüngerer Livealben auftauchen können).
- Im Metal kam mal jmd. auf die Idee, seine Gitarre runterzustimmen - plötzlich war nicht mehr alles in e, sondern in eb. Dann ist jemand einen Schritt weitergegangen, und so ging es immer weiter. So konnte man immer fettere Riffs mit Pedalton spielen, bis man irgendwann beim A oder H gelandet ist (weiter runter macht keinen Sinn, da die eine Oktave tiefere Saite des Basses nicht mehr wirklich wiedergegeben werden könnte). Hätte man da nicht beobachten müssen, dass ganze Alben unter der Tonartwahl gelitten haben?
@Aulandpicker: Meinst du nicht, dass das Beispiel mit dem Blues eher mit den Voicings auf der Gitarre zu tun hat? Was ist z.B. mit einem Blues in A, der (mittels Kapo oder Hochstimmen) einfach um drei Bünde nach oben verschoben wird? Ich nehme jetzt mal an, dass du kein absolutes Gehör hast. Hast du das schonmal probiert? Kannst du beschreiben, was sich dann für dich verändert?
Gruß
Pida
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