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Die perfekte Saitenlage
gitwork Offline
Barree-Künstler
*******

Beiträge: 474
Themen: 35
Registriert seit: Feb 2004
#1
RE: Die perfekte Saitenlage
Franz Schobert von Session Akustik, ein befreundeter Gitarrenhändler mit Herz und Verstand, gab mir neulich mal folgende interessante Gedanken zu Saiten & Saitenlage:

Die perfekte Saitenlage

 
Die perfekte Saitenlage ist nicht für Jeden die oder das Gleiche.
In den meisten Fällen ist sie ein Kompromiss.
Was sich jeder Spieler wünscht, ist ein komfortables Spielgefühl für seine Spielweise und
Stilistik. Meistens ist ein geringer Abstand zwischen Saite und Griffbrett, die Saitenlage
eben, der Inbegriff guter Bespielbarkeit.
„Macht die Saitenlage so flach wie möglich“ ist der häufigste Wunsch.
Aber auch das ist subjektiv und das kleine „wie möglich“ ist genau die Falle.
Es ist ähnlich wie bei einem Auto. Die Gitarrendecke ist der Motor, die Saite das Gaspedal,
die Anschlagshand der Gasfuß.  Aber es gibt Ferraris, Quincentos, 20 Jahre alte Rostlauben und Traktoren und natürlich sehr unterschiedliche Fahrer.
 
Für Ihre Saitenlage und Ihr Spielgefühl sind mehrere Umstände verantwortlich:
 
* Der Hals / Halseinstellung

Eine ungegriffene, ungespielte aber gestimmte Saite ist immer eine Gerade. Sie ist am Halsende, der Kopfplatte, befestigt und läuft in einem leicht ansteigenden Winkel parallel zum Hals in Richtung Schalloch und dem dahinterliegenden Steg. Dort ist sie ebenfalls fixiert. Spiel die Saite und sie schwingt!
Diese Bewegung ist sehr viel komplexer als man denkt, für das Thema Saitenlage ist eine vereinfachte Erklärung geeigneter.
Die Saite bewegt sich beim Schwingen für das Auge auf und ab, sie nähert sich dem Hals und entfernt sich wieder von ihm. Normalerweise erreicht sie den höchsten Punkt dieser
Bewegung in der Mitte der beiden Auflagepunkte Sattel und Steg. Diese Mitte liegt genau über dem 12. Bund auf dem Griffbrett an der Halsoberseite.
Um sauber und ungestört zu Schwingen und zu Klingen, braucht die Saite Raum. Dieser
wird auf einer Saite durch den Hals begrenzt - und der wird unbedingt gebraucht.
Um bequem zu greifen und die Saite auf die Bünde zu drücken, so entstehen die einzelnen
Töne, hätte man gerne wenig Raum zwischen Hals und Saite. Es spart Kraft und schont die Finger. Für Ton und vor allem Lautstärke ist mehr Raum dienlicher.
Aus diesem Grund  auch der ansteigende Winkel zwischen Saite und Hals, er öffnet den Raum zum höchsten Schwingungspunkt hin.
Jetzt endlich kommen wir zur Halseinstellung.
Statisch gesehen, ist ein völlig gerader Hals optimal. Spieltechnisch nicht.
Hängt der Hals gegenüber der Saite mit einer leichten Mulde durch, 1 – 1,5 mm
an der tiefsten Stelle gemessen an der Ideallinie, hat die Saite deutlich mehr Platz
für ihre Bewegung. Die Saitenlage wird dabei nur unwesentlich höher und der Spielkomfort
leidet nicht darunter. Der Spieler gewinnt allerdings Dynamik, er kann bei nahezu gleicher
Bespielbarkeit härter ohne Nebengeräusche spielen, das bringt mehr Ton.
Ein Hals, der stärker durchhängt, ist nicht in Ordnung – außer Sie wollen es so.
 
* Der Spieler

Jeder Spieler ist anders, rein biologisch. Ob große oder kleine Hände, lange Finger
oder breite Fingerkuppen, Hornhaut, Links – oder Rechtshänder, Körperlänge oder einfach
Kraft. Spielt alles eine Rolle.
Und dann das Temperament – von der zartbesaiteten Elfe bis zum ungebremsten Choleriker. Oder jugendlicher Anfänger im Gegensatz zum routinierten Vollprofi mit
4 – 8 Stunden Spielzeit pro Tag.
Der eine ist ein Speedfreak  und will eine Rennsaitenlage, der andere spielt in einer akustischen Bluegrass Band mit ( oder gegen) Mandoline, Dobro und Geige.
Ein professioneller Solist im Klassikbereich mit studierter Spieltechnik führt
das Concierto Aranjuez mit großer Orchesterbesetzung auf.
Für alle gilt das Gleiche:
Je mehr Lautstärke und Dynamik innerhalb der Grenzen eines Instrumentes verlangt wird,
je mehr Kraft beim Anschlag auf die Saite gebracht wird, desto mehr Raum braucht diese zum Schwingen – also eine höhere Saitenlage.
Ist Schnelligkeit und Bequemlichkeit wichtiger als Lautstärke oder Druck, kann die Saitenlage
komfortabler ausfallen. Dazwischen liegt der Kompromiss.
Was aber, wenn ich unbedingt beides haben will? Megaton und superleicht?
 
* Das Instrument

Jede Gitarre ist anders. Konzert - und Westerngitarren, Archtops, Flamenco oder
Swing Jazz - Gitarren a la Macaferri. Kindergitarren, Oktav - oder Quintgitarren,
6 oder 12 oder weißgottwievielsaitige, Elektroakustik - oder Resonatormodelle.
Eine 12 saitige braucht eine sehr viel niedrigere Saitenlage als eine 6 saitige um überhaupt
längere Zeit bespielbar zu sein. Sonst fällt dem Spieler nach 5 Minuten Barre die Hand ab.
Eine Kindergitarre kommt in kleine, ungeübte Hände mit kurzer Spannweite. Hier geht es klar um Bequemlichkeit und niedrige Saitenlage muss sein.
Aber Gitarren unterscheiden sich auf noch auf eine ganz andere, viel wesentlichere Art.
Denn nicht nur die Saite ist gespannt, sondern auch die Decke, die durch die Saitenschwingung bewegt wird und selbst schwingen soll. Wir erinnern uns, der Motor!
Die Spannung liegt im Deckenmaterial selbst – z.B. Holzart, Härte, Elastizität, Dichte oder im Baukonzept: Beleistung, Deckenaufhängung oder vorkonstruierte Deckenwölbung. Diese Spannungen wirken sich wiederum auf die Saite aus. Für Sie bedeutet das:
Bei gleicher Saitenlage, Saitenmarke und Stärke fühlen sich verschiedene Gitarren zum Teil extrem anders an. Von sehr weich bis straff und hart ist alles möglich. Das Phänomen finden sie sogar bei gleichen Modellen eines Herstellers!
Für alle Gitarren gilt das Gleiche:
Eine straffe Decke macht eine niedrigere Saitenlage bei kraftvollem Anschlag möglich.
Bei einer weichen Deckenspannung schwingen die Saiten schneller und leichter ein, dafür
schlagen sie bei stärkerem Spiel auch weiter aus, da auch die Decke intensiver auslenkt.
Jetzt klingt eine straffe Deckenkonstruktion anders als eine weichere. Das hat mit Qualität
und Preis nichts zu tun.
Das ist das charakteristische Merkmal eines bestimmten  Herstellers sowie die Individualität des Materials Holz.
Der Qualitätsunterschied der einzelnen Gitarren macht sich im Klangvolumen und der Tonkultur bemerkbar. Einen druckvoller, satten Bass und Mittenbereich, volles Sustain bei niedrigster Saitenlage und raumfüllendes Volumen mit jeder gewünschten Dynamik – das geht. Aber nur für den entsprechenden Preis.
Langer Rede, kurzer Sinn: Ihre Traumgitarre finden Sie nur im Vergleich! Jedes Instrument ist anders und bietet andere Möglichkeiten, selbst bei gleichem Hersteller und Modell.
Welche Möglichkeiten gut zu Ihren Bedürfnissen passen, das sagt Ihnen nur ein
sehr erfahrener und kompetenter Fachhändler mit einer guten Auswahl.
Und genau deshalb wollen wir nicht versenden, sondern Sie persönlich beraten.
 
* Die Saiten / Saitenspannung

Jede Saite ist – genau, anders!
Verschieden in Material, Stärke, Aufbau und Herstellungsmethode klingt jede Saite
für sich. Wie bei den Decken führt die Struktur der einzelnen Saiten je nach Hersteller
zu einem eigenen Spielgefühl bei gleichem Abstand zum Griffbrett.
Der Einfluss auf Bespielbarkeit und Ton ist bei der Stärke der Saiten am deutlichsten.
Wir verwenden 012 er Stärke als Standard, das ist klanglich wie spielerisch ein guter
Kompromiss. Für Anfänger, Seltenspieler oder Aufnahmezwecke ist ein dünnerer Satz
interessant, es gibt bei vielen Herstellern neben den etwas mageren 10 er Stärken auch
011 er mit einem ordentlichen Bass. Medium oder 013 er Stärke gehören einfach auf
einige typisch amerikanische Gitarren, wenn man ihr tonliches Potential voll ausschöpfen
möchte: eine Gibson J 200 oder Martin HD 28 tönt gewaltig mit so einer Saite.
Experimentieren Sie ruhig, jeder Spieler hat seine Lieblingssaite.
 



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:_pirate:

terra musica forum
Musik&Urlaub in der Toskana
26-03-2005, 00:38
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Ch@rly Offline
Godfather of Music
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Themen: 148
Registriert seit: Mar 2002
FT 2005 in Seitenstetten - AT
#2
 
Thumbs Superklasse Erklärung Respekt Gitwork
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CU
[Bild: charly1.gif]
http://members.stasny-edv.at/charly/


Signatur gelöscht. Account wurde gehackt !
26-03-2005, 11:57
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cyma2006 Offline
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Registriert seit: Aug 2004
#3
 
Respekt Sehr gut geschrieben!
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EDV-Systeme verarbeiten, womit sie gefüttert werden.
Kommt Mist rein, kommt Mist raus.


_-_-_-_-_-_-_-_-_-_-_-_-_-_-
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Kommt Mist rein, kommt Mist raus.
26-03-2005, 12:49
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Ralfi Offline
Godfather of Music
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Themen: 66
Registriert seit: Nov 2003
FT 2007 in BergneustadtFT 2005 in Seitenstetten - ATFT 2004 in Braunschweig
#4
 
Yo ... super erklärt. Thumbs

Zum Thema Saiten / Saitenspannung kann ich noch ergänzen, dass nach einer gewissen Zeit ein neuer Satz Saiten (bei gleicher Qualität) oft Wunder wirkt - nicht nur beim Klang sondern auch betreffend Saitenlage.

Das hat was mit Kriechvorgängen und Verfestigungen im Drahtmaterial zu tun.

Bin allerdings oft ein wenig zu faul und zu geizig zum Saitentauschen. I) :-D

--
Ralfi

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Ralfi

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26-03-2005, 14:23
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D3v3 Offline
Crew-Mitglied
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Beiträge: 205
Themen: 23
Registriert seit: Jan 2005
#5
 
Wirklich sehr gut und übersichtlich beschrieben Respekt , allerding habe ich von Saitenlage nicht viel gefunden.
26-03-2005, 14:44
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Electronicguitar Offline
Saitenquäler
*

Beiträge: 37
Themen: 8
Registriert seit: Oct 2004
#6
 
Klasse, vielen Dank. Ich mag, wie Du solche Sachen schreibst, vielen Dank. Thumbs
26-03-2005, 22:43
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