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Weg vom linken Rand kommen - Druckversion

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RE: Weg vom linken Rand kommen - Jayk - 01-06-2010

Hi!

ich habe ein Problem: wenn ich improvisiere, spiele ich vorrangig Barrée. Da bin ich auch recht mutig und mache ziemlich \"riskante\" Griffe quer über das Griffbrett. Ansonsten bleibe ich meistens ganz links (ganz unten). Ich kann mich natürlich zwingen, hochzugehen, aber dabei kommt eigentlich nichts heraus. Das liegt daran, dass ich mir nie wirklich überlege, was ich spiele, sondern einfach drauf los greife. Das klappt unten wunderbar, aber ich will meine Technik so nach und nach auf die oberen Bundstäbchen ausweiten.

Ich denke mal, dass viele irgendwann vor dem Problem standen und wollte fragen, wie man das am besten löst? Oder kommt das von ganz alleine, wenn man schwerere Noten spielt?

Ein Problem ist auch, dass ich keinen Lehrer habe, sondern nur nach Noten oder Gehör spiele.

PS: Wie improvisiert ihr eigentlich? Lernt ihr da auch bestimmte Riffs auswendig? Bzw. übernimmt man das aus Noten von guten Gitarristen? Mein Problem, als ich anfangen wollte mit Dire Straits / Sultans Of Swing Guitar Tablature Edition, war mehr oder weniger, dass ich viele Dinge (aus Gewohnheit) eher auf tieferen Bünden gespielt?

Danke!


- Frank_Drebin - 01-06-2010

Willkommen im Forum!

Es geht also um improvisierte Akkordfolgen? Befasse dich ein wenig mit Harmonielehre, und zwar immer auch in Verbindung damit, wie man das sofort aufs Griffbrett übertragen kann. Wenn du zu einer Melodie den Tonika-Akkord greifst, wo sind dann da in der Nähe und evtl um eine Saite versetzt die Dominante und Subdominante? Erkenne die Gesetzmäßigkeiten dahinter, und du wirst sehr schnell die meisten Songs begleiten können. Die nächste Stufe ist dann, soweit zu kommen, dass man das im Schlaf kann und nicht mehr drüber nachdenken muss, erst dann klappts mit dem Improvisieren. Irgend jemand sagte mal, man muss zum Improvisieren viel Theorie lernen, um sie dann wieder zu vergessen und seine Gefühle spielen zu lassen.


- ghetto - 01-06-2010

Hi Jayk!

Zunächst einmal willkommen hier im Forum!

Dein Posting liest sich, als würdest du die Skalen noch nicht kennen. Das sind fixe Bewegungsabläufe, mit denen du von einem Grundton ausgehend eine Tonleiter rauf und runter spielen kannst. Verschiebst du deine Hand über den Hals, so ändert sich zwar die Tonart, nicht jedoch das Greifmuster und die Bewegungsabläufe.

Ein Beispiel:

D-Dur-Tonleiter in der 2. Position[song]e||---|-o-|-o-|---|-o-|---|
h ||---|-o-|-G-|---|-o-|---|
g ||---|-o-|---|-o-|---|---|
d ||---|-o-|---|-o-|-o-|---|
A ||---|-o-|---|-o-|-G-|---|
E ||---|-o-|-o-|---|-o-|---|[/song]Mit \"G\" gebe ich an, wo sich der Grundton dieser Tonleiter befindet (ist ein D), die anderen, mit \"o\" markierten Bünde sind die restlichen Töne der Tonleiter.

Gehst du mit deiner linken Hand nun vom 2. in die 4. Position und spielst wiederum dieses Bewegungsmuster, dann erklingt wieder die Tonleiter, nur etwas höher. Der Grundton ist nun ein E (A-Saite im 7. Bund bzw. H-Saite im 5. Bund). Wenn du noch eine Position weiter nach oben gehst spielst du in F usw. usf.

Das Witzige an der oben aufgezeichneten Tonleiter ist, dass du sie auch in die 0. Position verschieben kannst. Anstelle deines 1. Fingers spielst du die leere Saite und siehe da....das ist die wohlbekannte C-Dur-Tonleiter!

So kannst du auch andere Tonleiter in die Höhe schieben, meine Lehrlinge lernen - neben dem bereits beschriebenen \"C-Modell\" noch ein \"G-Modell\" und ein \"F-Modell\". Diese Modelle basieren auf die G-Dur bzw. auf die F-Durtonleiter in der 1. Lage, genauso wie das (beschriebene) C-Modell auf die C-Durtonleiter in der 1- Lage basiert.

Gruß,


- Searcher - 02-06-2010

angebermode ein

das ist die phrygische tonleiter die der ghetto da darstellt

angebermode aus


ein bestandteil meines FT workshop \"improvisieren für anfänger\"


wer will kann den bewegungsablauf schon mal üben, denn die brauchen wir


- ghetto - 02-06-2010

Zitat: Original von Searcher:angebermode ein

das ist die phrygische tonleiter die der ghetto da darstellt

angebermode aus
Stimmt, wenn du die Tonleiter vom tiefstmöglichen Ton aus betrachtest. Wenn mein C-Modell \"phrygisch\" ist, dann ist mein F-Modell \"lokrisch\" und mein G-Modell \"äolisch\".

@Jayk,

lasse dich von solchen Ausdrücken bitte nicht verwirren, sie müssen dich im Moment noch gar nicht interessieren.

Searchers Workshop, den er im Sommer beim großen Forumstreffen abhalten wird, den kann ich dir aber auch empfehlen. Wie im anderen Thread stelle ich den Link zur Homepage des Forumstreffens auch hier hinein. Searchers Workshop findest du, wenn du unter \"Brandneu & heiss\" auf \"Workshops\" klickst.

Gruß,


- Adrian-Poneta - 18-07-2010

der thread-ersteller hat doch keien ahnung wovon ihr spricht, wenn ihr Sachen wie Phygrisch erwähnt.

Aber du musst dich mit harmonielehre beschäftigen,das stimmt schon. Klingt Anfangs viel komplizierter als es ist.
Ich versuch mal bisschen ( und knapp) zu erklären, damit du einen Einstieg bekommst.


Die meissten Lieder die man so kennt bestehen aus einer Tonart. Bestimmt hast du mal von Moll oder Dur Tonleitern gehört und bestimmt weißt du bereits welche Töne es alles gibt: C,C#,D,D#,E,F,F#,G,G#,A,A#,B (in dieser Reihenfolge. Man nennts auch \" die chromatische Tonleiter\") und ab hier fängts von vorne an(eine Oktave höher). Logischer Weise gitb es nun für jeden Ton eine eigene Tonart ( z.b. c dur, c# dur, d dur,..usw) und jede dieser Tonarten besteht aus 7 Tönen. C-Dur besteht aus C,D,E,F,G,A und B. Jeder Ton dieser TonART hat auch eine eigene TonLEITER.

C,D,E,F,G,A,B,C = C Ionisch ( Dur ) I Stufe
D,E,F,G,A,B,C,D = D Dorisch II. Stufe
E,F,G,A,B,C,D,E = E Phygrisch III.Stufe
F,G,A,B,C,D,E,F = F Lydisch IV. Stufe
G,A,B,C,D,E,F,G= G Mixolydisch V. Stufe
A,B,C,D,E,F,G,A =A Aeolisch ( Moll ) VI. Stufe
B,C,D,E,F,G,A,B= B Lokrisch VII: Stufe

Jetzt brauchst du nur noch zu wissen wie man für jede Stufe dieser Tonart einen Akkord bildet. Fangen wir mit dem einfachen Dreiklang an, der aus Prim, Terz und Quint besteht. Prim= Grundton, Terz= der dritte Ton und Quint=der fünfte Ton.
Bei der ersten Stufe ist C der Grundton, E der dritte Ton und G der fünfte Ton. Jetzt wirf nochmal einen Blick auf die chromatische Tonleiter. Du siehst dass der Abstand vom Grundton C bis zur Terz E vier Halbtöne beträgt und vom Grundton C bis zur Quint G sieben Halbtöne. Eine Terz die vier Halbtöne vom Grundton entfernt liegt ist eine große Terz ( diese sorgt für den Durcharacter) und eine Quint die 7 halbtöne vom Grundton entfern liegt ist eine reine Quint. Grundton+große Terz+reine Quint= Dur Akkord.Also haben wir für C Ionisch schonmal den Akkord Cdur.
Nach dem selben Prinzip prüfen wir nun die zweite Stufe und stellen fest, dass der Abstand vom Grudton D zur Terz nur 3 Halbtonschritte beträgt, der Abstand von D bis zur Quint A aber immer noch sieben Halbtonschritte. Eine Terz die 3 Halbtonschritte vom Grundton entfernt ist, ist eine kleine Terz ( die für den Mollcharacter sorgt). Prim+kleine Terz+reine Quint=Mollakkord. Also haben wir auf der der Stufe D Dorisch ein Dm. Wenn wir so weiter machen, dann haben wir für die dritte stufe ein Em, für die vierte ein F, für die fünfte ein G und für die 6 ein Am. Auf der siebten Stufe gibt es nun eine ausnahme. Der Abstand vom Grundton B bis D beträgt drei Halbtonschritte ( also kleine Terz ) und der Abstand von B bis F beträgt sechs Halbtonschritte. Es handelt sich bei dieser Quint um eine verminderte Quint. Prim+kleine Terz+verminderte Quint= verminderter Akkord ( z.B. B°). Du wirst merken dass sich dieser verminderte Akkord etwas \"schräg\" anhört.

Hier nochmal übersichtlich:
C,D,E,F,G,A,B,C = C Ionisch ( Dur ) I Stufe Akkord: C

D,E,F,G,A,B,C,D = D Dorisch II. Stufe Akkord: Dm

E,F,G,A,B,C,D,E = E Phygrisch III.Stufe Akkord: Em

F,G,A,B,C,D,E,F = F Lydisch IV. Stufe Akkord: F

G,A,B,C,D,E,F,G= G Mixolydisch V. Stufe Akkord: G

A,B,C,D,E,F,G,A =A Aeolisch ( Moll ) VI. Stufe Akkord: Am

B,C,D,E,F,G,A,B= B Lokrisch VII: Stufe Akkord: B°

Man könnt nun die Akkorde um einen vierten, fünften, sechsten und siebten Ton erweitern und dan kriegst du auch die \" verrückten\" Akkorde nach denen du dich sehnst. Wobei ich noch nie einen Akkord aus 7 Tönen gespielt habe ;D
Versuch aber erstmal das hier zu verstehn.

Auf der Gitarre gibt es aber auch viele verschiedene Möglichkeiten Akkorde zu Greifen, Tu z.B. mal bei einem E moll das G als tiefsten Ton und schau, ob was bei raus kommt.

Ach ja, das alles bei jeder einzelnen Tonart zu lernen hört sich natürlich nach sehr viel an, aber im Grundegenommen wiederholt sich alles immer.

Hier z.B. mal die Tabelle Für die Tonart G Dur

G,A,H,C,D,E,F#,G = G Ionisch ( Dur ) I Stufe Akkord: G


A,H,C,D,E,F#,G,A = A Dorisch II. Stufe Akkord: Am


H,C,D,E,F#,G,A,B = B Phygrisch III.Stufe Akkord: Bm


C,D,E,F#,G,A,B,C = C Lydisch IV. Stufe Akkord: C


D,E,F#,G,A,B,C,D = D Mixolydisch V. Stufe Akkord: D


E,F#,G,A,B,C,D,E =E Aeolisch ( Moll ) VI. Stufe Akkord: Em


F#,G,A,B,C,D,E,F#= F# Lokrisch VII: Stufe Akkord: F#°

Die Parallelen sollten auffallen. Die einzelnen Tonarten lassen sich mit hilfe des Quintenzirkels bestimmten, hab grad aber keinen nerv dazu, den zu erklären.


Ich hoffe das alles klingt nun nicht zu verwirrend, und ich hoffe doch ich hab mich möglichst wenig vertippt.


EDIT: Ausserdem empfehle ich dringend dir die einzelnen Skalen zu lernen.


- Wihoki - 18-07-2010

Ok,

hab auch keine Ahnung wovon die Rede ist................ Sad
erscheint mir aber irgentwie Logisch, will sagen spiele die folge immer.....klingt doof ich weis..... X( .
Hab es nie gelernt und weis eigentlich nicht was ich da tue.....schämmmmmmm.
Würde es gerne lernen,habt ihr tipps....lehrer??


- Adrian-Poneta - 18-07-2010

Les dir nochma gründlich durch was ich geschrieben habe, auch wenn das vielleicht etwas schwer zu verstehn ist. Also ich kann dir das Buch \"Die neue Harmonielehre\" von Haunschild. Da wird alles nochmal genauer angesprochen, ist aber auch schwer zu verstehn, wenn man keine Ahnung hat. Ein Privatlehrer würde auch helfen, da er dir alles direkt erklärn kann. Aber du kannst ja erstmal versuchen den oberen Text zu verstehn und weitere Fragen würd ich beantworten.


- Aulandpicker-geloescht - 18-07-2010

Der Inhalt dieses Posts wurde auf Wunsch des Verfassers gelöscht.


- Adrian-Poneta - 19-07-2010

ich hab nicht so drauf geachtet wie lang ich fürs tippen gebraucht hab, aber danke für deinen respekt^^


- Searcher - 19-07-2010

ich sag auch Respekt vor leuten die das da oben schreiben und verstehen,

ich verstehe das nicht wirklich und habe auch ehrlich gesagt keinen großen drang danach weil,

weil

ich verweise mal wieder auf meinen workshop beim ft, improvisieren für anfänger und leicht fortgeschrittene,
da zeige ich vieles von dem oben beschriebenen aber wie ich finde in übersichtlicherer form mit praktischen beispielen, einige kochrezepte und schon kann man vernünftig losimprovisieren (also ich kann mir meines merken und auch anderen erlären lool)

also Jayk auf zum FT2010


- Oslo - 19-07-2010

Ich poste auch noch mal was rein; auch auf die Gefahr hin, dass der/die Threadstarter/in das vielleicht gar nicht mehr liest...
(Beitrag und Letzter Besuch vom 1. Juni.)

Mein Tipp für’s \"Improvisieren jenseits des linken Randes\" wäre erst einmal ein bestimmter Anhaltspunkt auf einem bestimmten Bund der Gitarre. Das ist je nach Tonleiter unterschiedlich. Beschränken wir uns auf die Pentatoniken (Info dazu gibt’s im Forum seitenlang...), gibt es nämlich immer genau einen Bund, auf dem beim Improvisieren zur richtigen Pentatonik alle Saiten spielbar sind. (Das ist im Prinzip auch der Grundgedanke für die so häufig erwähnten Scalen.)

Auszug:

Bund 0 = E A D G H E = G / Em
Bund 3 = G C F B D G = B / Gm
Bund 5 = A D G C E A = C / Am
Bund 7 = H E A D Fis H = D / Hm

Wenn ich also weiß, dass ich bei einem Song in Am / C alle Saiten im 5. Bund in mein Solo-Spiel einbauen kann, kann ich daraus Verbindungen quer über das Griffbrett kreiren.

Hatte da mal was Hilfreiches für Excel gebastelt:

Pentatonik-Übersicht


- Pida - 20-07-2010

Hi,

mich überrascht, dass du Modes auf einem Workshop für Anfänger verwenden willst. Reicht es nicht, 2-3 Fingersätze für eine Pentatonik (vllt. auch Dur/ moll) zu nehmen und die Theorie auf das Finden des korrekten Grundtons zu beschränken?
Zitat: Original von Searcher:
das ist die phrygische tonleiter die der ghetto da darstellt
Das ist aber D-Dur - oder meinetwegen auch ionisch. Das ist nicht nur die nachvollziehbare Interpretation, sondern so steht es auch da: d e f# g a h c# d

Gruß
Pida


- ghetto - 20-07-2010

Zitat: Original von Pida:Das ist aber D-Dur - oder meinetwegen auch ionisch. Das ist nicht nur die nachvollziehbare Interpretation, sondern so steht es auch da: d e f# g a h c# d
Klar ists D-Dur, aber wenn du vom tiefsten von mir eingezeichneten Ton ausgehst, dann ists eine phrygische Tonleiter. Ich bezwecke oben jedoch nicht die phrygische Tonleiter darzustellen, sondern möchte dem Starter dieses Threads am Beispiel von D-Dur zeigen, wie er seine Improvisation in höhere Positionen verlagern kann. Dazu gebe ich selbstverständlich alle zur Tonleiter gehörenden Töne an, die er in dieser (der 2.) Position verwenden kann. Der tiefste Ton ist hier rein zufällig ein Fis (die große Terz in D-Dur) und deshalb kannst du die Tonleiter phrygisch nennen.

Gruß,


- Searcher - 20-07-2010

@pida

zu meinem workshop gibts jede menge papier, -> schreibstift wäre nicht schlecht
jeder kann soweit mitmachen wie er mit kommt, wenn es zuviel wird hat er auf jeden fall die doku und kann das in ruhe nochmal nachvollziehen,

wer aber mitziehen kann, der kann hinterher schon recht gut mitjammen, tonarten heraushören, akkorde von songs bestimmen (vielleicht lol)